Das Thema:
«Basteln» am nächsten Neuer - Torwart-Nation Deutschland?
Hier mal eine kurze Zusammenfassung:
1. Das Durschnittsalter der aktuellen Stammkeeper in Liga eins liegt bei rund 28 Jahren.
2. Von den 10 ersten Teams der Tabelle setzen drei auf einen deutschen Stammtorwart, von den acht schlechtesten aber sieben.
3. Kahn fordert Verbesserungen bei der Keeper-Förderung. "Der außergewöhnliche Torspieler von heute ist dagegen quasi schon ein echter elfter Feldspieler oder auch Spieler - 1 - plus .."
4. Trainer müssten entsprechend ausgebildet werden, so Kahn!
Gerade der 4. und letzte Satz stimmt nachdenklich. Dazu passt die persönliche Erfahrung, dass bei einer DFB-Torwarttrainerfortbildung für den Bereich der Talentförderung die Leistungsspanne der Teilnehmer riesengroß war. Sie ging durch alle Altersgruppen, sodass nicht einmal der Eindruck entstand, dass durch Generationswechsel dauerhaft eine Verbesserung eintreten würde.
Als größtes Manko blieben mir die mangelnden technischen Fähigkeiten mit dem Ball am Fuß in Erinnerung. Wenn vom modernen Torwart verlangt wird, er solle außerhalb seines Strafraums vergleiche Fähigkeiten mit dem Ball am Fuß besitzen, um bei gegnerischem Offensivpressing gute und sichere Lösungen in Spielsituationen dank ausreichender Technik seiner Mannschaft zu helfen, aber die überwiegende Zahl der Torwarttrainer mit dem Ball am Fuß nicht präsentationsfähig ist und deshalb keine wirklich gute Korrektur liefern kann, dann muß man sich schon fragen, warum das im Ausland scheinbar besser gelingt?
Ob denn eine TW-Trainer A-Lizenz daran etwas zu ändern vermag, wenn dort ebenfalls Ausbilder tätig sind, die darin ebenfalls keine ausreichenden Fähikgkeiten besitzen, ist fraglich. Denn wie Steffen schon bei den anderen TW-Trainer-Ausbildungen zu recht kritisiert hat, sind es lediglich überteuerte Poster, jedoch leider mit geringem Qualitätsanspruch. Denn scheinbar ist man bei den Inhalten und Methoden im Ausland längst weiter als hierzulande.
Hier genügt als Anforderungsprofil die Vita als Torwart, ein Gesundheitscheck, weil man wissen will, ob der "Silberrücken-Torwart" noch den Ball aus dem Winkel fischen kann? Sollte man da nicht mal das Anforderungsprofil dahingehend überprüfen, was vom modernen TW-Trainer verlangt wird? Denn während der Fortbildungsübungen war kaum ein teilnehmender TW-Trainer in der Lage einen Freistoß aus ca. 20 Meter beidfüssig mit der gewünschten Präszision und Balldruck vors Tor zu bringen. Ähnliches Kopfschütteln verursachten die Versuche den Torwart im 1 vs 1 technisch filigran auszudribbeln. Vielfach versprangen die Bälle so weit, dass Angreifer und Torwart nur noch hinterher rannten, damit der Ball noch vor der Seitenauslinie zurück geholt werden konnte.
-------------------------------------
Aber ich denke, es wäre zu kurz gefasst, die Schuld allein beim TW-Trainer zu suchen. Denn es gibt sie ja durchaus, die TW-Trainer mit umfangreichem Hintergrundwissen und mit guten fussballerischen Fähigkeiten, sodass letzendlich noch eine ordentliche Quote an Spitzenkönnern als würdige Nachfolger zu erwarten wären.
Deshalb stellt sich die Frage nach einer besseren Keeper-Förderung.
Obwohl viele Nachwuchs-Verantwortliche davon überzeugt sind, dass man mit einer Positionsfestlegung und -ausbildung nicht zu früh starten sollte, ist man sich bei der Frage des Einsatzes von Mulltitalenten fast immer einig. Denn wenn sowohl Eignung als Angreifer wie als Torwart vorhanden ist, so entscheidet man sich zumeist für den Angreifer, weil Tore schießen dem Trainer mehr Spaß macht als Tore zu verteidigen. Bei letzterem begnügt man sich mit dem Begriff des "Torwartfehlers", während man im Falle des Spielerfehlers allenfalls vom "Chancentod" spricht, dies jedoch nicht mit der Angreiferposition verbindet. Denn Chancentod kann jeder der Angreifer sein.
Möchte man eine gute Ballance zwischen Tore schießen und Tore verhindern, sollten ca. 50 % (statt heute vielleicht 1 - 2 %) aller Multitalente die Torwartaufgaben kennenlernen. Damit wäre schon mal ein breiterer Sockel geschaffen, auf den später stabile Säulen errichtet werden können.
Wenn fortan darauf geachtet wird, die Torspieler, die gerade nicht das Tor hüten, als Feldspieler (anstatt die Reservebank zu drücken) einzusetzen, ohne das dabei die Mannschaft geschwächt wird, so würde die Ausbildung als "elfter Feldspieler" durchaus besser möglich sein.
Isolierte Torwart-Übungen ohne Wettkampfbezug mögen zwar Techniken automatisieren, allerdings fehlt bei dieser Form der Wettkampfsimualtion der reale Zeitdruck aus ähnlichen, aber nie identischen Situationen. Deshalb braucht es hierfür Teilnehmer mit wechselnden Aufgaben. Schließlich kommt es aber nicht allein darauf an, dass ich die richtige Technik auch kenne, sondern schnell genug im Kopf und in den Beinen bin, um sie an gewünschter Stelle erfolgreich anwenden zu können. Gerade hier beobachtet man TW-Trainer, die emothional reagieren, wenn sich ein Torwart zu spät oder falsch entscheidet oder zu langsam zum Ball sprintet, statt dafür ausreichend Zwischenübungen bereit zu stellen.
Einen Torwart in Technik und Taktik den Ball begreifen zu lernen, verlangt heute sehr viel mehr als zur der Zeit, als viele unserer ehemaligen Torhüter und heutigen Torwarttrainer in ihrer aktiven Torwartausbildung erfahren haben. Sehr viele standen schon von Beginn ihrer Karriere im Tor, saßen auf der Bank, wenn der Kollege im Tor stand und bekamen nicht die Chance als Torspieler gleichsam auch der elfte Feldspieler zu werden.
Sicherlich kann man manches nachholen. Aber von den besten Torwarttrainern sollte man erwarten können, dass sie ausreichende Fähigkeiten als "elfter Feldspieler" besitzen, um auch diesen Part mit überragender Qualität an die besten Torwarttalente der Nation weitergeben zu können. Aber haben wir diese Leute in ausreichender Zahl?




Zitieren