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Thema: Ist "Funino" die Lösung für den Fussball von G - E-Jugend?

  1. #1
    Amateurtorwart
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    Standard Ist "Funino" die Lösung für den Fussball von G - E-Jugend?

    Liebe Trainerkollegen,

    viele von euch kennen "Funino" bereits. Es wird meist im 3 : 3 gespielt, wobei jedes Team einen Wechselspieler hat und bei großer Tordifferenz das schwächere Team in Überzahl spielen darf. Weil nun mal die Tore beim Fussball das Salz in der Suppe sind, stehen davon gleich 4 (also für jedes Team gleich 2) auf dem Platz. Damit die Kids nicht zu schnell müde werden, ist die Spielfläche deutlich kleiner als im normalen 7 : 7 Spiel.

    Funino soll für alle Spieler viele Ballkontakte und auch viele Torerfolge möglich machen. Letzteres ist auch deshalb möglich, weil ohne Torhüter gespielt wird. In der Praxis klappt es nur dann gut in dieser Altersgruppe, wenn bereits gute technische Fähigkeiten und etwas Individual-Taktik als Basis vorhanden sind. Denn sonst kann es passieren, dass beim 3 : 3 ein Spieler das Spiel dominiert und der Rest in die Röhre schaut. Denn weil die Tore leer sind, genügt es vollkommen seine Gegner bereits vor der Schußzone auszuspielen und dann den Ball ins leere Tor zu schieben. Denn Mitspielern und Gegnern wird der Spaß genommen, weil in der Praxis nicht die gewünschten vielen Ballkontakte zustande kommen, wie dies in der Theorie vorgesehen ist.

    Denn es stellt sich die Frage: wozu soll man einen Torwart ins Tor stellen, dem in den allermeisten Fällen jegliche Grundkenntnisse für die Torwartaufgaben fehlen? Sehr häufig liegt die Ursache darin, dass im Verein gar keine Zeit für den Torwart bzw. noch häufiger gar kein Fachpersonal vorhanden ist!

    Welche Alternative gibt es?
    Aber braucht es überhaupt schon so früh ein Torwarttrainiing? Sicher nicht in der Form als Trainingseinheit mit Aufwärmen, Übungen und Spielformen. Denn so lange kann sich ohnehin ein Kind in diesem Alter noch nicht konzentrieren. Es würde vermutlich rasch den Spaß daran verlieren. Also besser erst mal nur Torwartübungen mit dem gesamten Team ins Mannschaftstraining einfließen lassen. Dabei zunächst mit den Sicherheitsübungen (wie vermeide ich schmerzhafte Kontakte mit Ball, Gegner, Boden?) starten. Das hat dann den Vorteil, dass danach jeder der mag auch die Torwartaufgaben von Anfang an mit sehr viel Spaß kennenlernen kann.

    Allerdings finde ich die Idee mit kleineren Teams in der G-Jugend prima. Das größte Problem dabei dürfte jedoch eine ausreichende Zahl an gut ausgebildeten Trainern sein. Denn gerade im unteren Jugendbereich tummeln sich sehr viele Laientrainer. Und obwohl es hier nur um die "goldene Ananas" geht, geraden sie mangels ausreichender Grundkenntnisse manchmal in Rage und brüllen solange, bis die Kinder und ihre Eltern keine Lust mehr haben und sich ein anderes Hobby suchen.

    Gerne würde ich sagen können, dass mit Funino der Dropout im unteren Jugendfussball gestoppt werden könnte. Allerdings sehe ich da eine Reihe anderer Probleme, die in den Vereinen gelöst werden müssen. Zwar bieten sie mitlerweile vielen Trainern eine finanzielle Unterstützung bei ihrer Lizenz-Ausbildung an. Aber danach sollen sie für 10 - 12 Stunden wöchentlich: Trainings- und Betreuungsaufwand, für die Suche nach Tricot-Sponsor, für den Aufbau des Spielfeldes, für andere Freizeitaktivitäten mit der Mannschaft und manchmal fürs Holen und Bringen einiger Spieler für einen "lauen Händedruck" machen. Und wenn dann die 1. Senioren mit ihrem gutbezahlten Trainer gemütlich ne Kiste Bier leert, sollen die Kinder- und Jugendtrainer die Vereinsanlage pflegen.

    Viele Vereinsverantwortliche scheinen noch nicht verstanden zu haben, dass es in ein paar Jahren keine eigene Seniorenmannschaft mehr gibt, wenn sie sich nicht endlich so um ihren Nachwuchsbereich kümmern, wie er es verdient hat. Funino allein ist m.E. nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Ich habe fertig!

  2. #2
    torwart.de-Team Avatar von Steffen
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    Nun, es gibt sicherlich Pro und Contra des Funino...

    Ob man damit allerdings wirklich die Nachwuchssorgen der Vereine zunichte macht, oder aber auch die mangelhafte technische Fussballausbildung der Kinder wett macht, indem man versucht, den Bolzplatz in die Vereine zu schleppen....

    Ich habe an anderer Stelle schon erklärt, daß der DFB selbst mit dem Podcast "Die Welt der Nationalmannschaft" eine tolle Inspirationsquelle, wo Nationalspieler, die ja als Idole der Kinder gelten, Tricks zeigten, wo man aber auch Stabi-Übungen und anderes leicht und gut präsentiert ... und eben insbesondere die Dribbling Tricks auch leicht für die Kiddies nachvollziehbar.
    Aber der DFB hat sich dagegen entschieden und das Programm eingestellt

    Auch von der eigentlichen Vereinsarbeit hat sich der DFB und auch viele Landesvereine weit entfernt. Stützpunkte werden ausgedünnt, und auch der Tw Trainer an Stützpunkten eingespart. Andere Länder haben eine Tw Trainer B-Lizenz, wozu man nicht erst komplizierte Aufnahmerituale braucht, sondern aufgrund seiner Arbeit und seiner Prüfung lizensiert wird, hingegen ist Deutschland immer noch auf "Zertifikatbasis", welches man teuer bezahlt, aber eben zu nichts befähigt.
    Das gleiche ist es dann im Kindertraining... anstelle hier die Ausbildung zu verbreitern und besondere Lizenzen zu verlangen, z.B. für G- und F-Jugendliche eine einfach DSOB Übungsleiterlizenz, damit eben "kleine Ballspiele" statt finden, weil es nicht mehr braucht, packt man das alles in eine C-Lizenz, die dann von G- bis B-Jugend ausreichen soll. DAS KANN NICHT FUNKTIONIEREN...
    Warum klammert man die G- und F-Jugend nicht aus? Warum setzt man nicht erst ab der E-Jugend auf richtig Fussball, weil da ja schon Tabellen und Spielklassen bestehen?

    Es ist einfach so, daß man schlicht immer noch zu wenig in die Vereine packt... Födergelder fehlen, alles sonnt und drückt sich nur in den NLZ der "großen Club" rum, und nimmt diese als "Beispiele" oder Vorbilder.
    Kaum ein Verein kann sich heute noch so viele "bezahlte" Trainer leisten, auch nicht im Jugendbereich, zudem auch nur noch weniger Menschen zur Verfügung stehen, die um 16 Uhr einfach die Zeit haben, Training zu geben. Und die Landesverbände .... sie blenden es einfach aus.

    Somit ist Funino ein Ansatz... aber es wird einfach nicht die Lösung der Nachwuchssorgen im Fussball sein, weil man auch gute Dribbler entsprechend ausbilden muss
    Lassen wir das, war nie eine Leuchte...

  3. #3
    Amateurtorwart
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    Warum setzt man nicht erst ab der E-Jugend auf richtig Fussball, weil da ja schon Tabellen und Spielklassen bestehen?

    Diese Idee würde ich sofort unterstützen! Die "Fairplay-Liga" geht ebenfalls in diese Richtung. Allerings gibt es auch Widerstände, indem z.B. nach wie vor F-Jugend-Pokal-Runden gespielt werden, man heimlich Spielergebnisse und sich daraus errechnete Tabellenstände austauscht.

    Auch in den Vereinen will man keine Zweifel daran lassen, dass die Mitgliedsbeiträge von Anfang an zu zahlen sind, weil hier "richtig Fussball" gespielt wird!

    Ob man sich "bezahlte" Jugendtrainer nicht leisten kann, da hab ich so meine Zweifel? Zum einen gehts ja häufig nur darum, die privaten Kosten zu erstatten, weil man dem Verein ja schon seine freie Zeit schenkt. Wenn aber 80 % des Vereinsbudget in die 1. Senioren fließt, dann bleibt natürlich kein Geld mehr übrig. Es gibt ja die steuerliche Regelung der "Übungsleiter-Pauschale". Allerdings haben davon nur die sehr gut verdienenen Jungesellen etwas. Denn Familienväter, Rentner, Schüler und Studenten zahlen ja weniger oder gar keine Steuern und bekommen deshalb auch nichst vom Finanzamt zurück.

    Ich bekomme seit Jahren mit, dass Jugendtrainer um diese Aufwandserstattung kämpfen, weil sie darin auch eine Wertschätzung ihrer Arbeit sehen. Bei einem größeren Anreiz könnte auch die Trainer-Fluktuation geringer und damit auch der Wunsch einer Lizenz-Ausbildung wachsen. Hier scheint man sich im Kreise zu drehen?

    Wo ich dir absolut recht gebe, dass sind die DFB-Profilanforderungen für die TW-Trainer-Ausbildung. Hier eine Mannschaftstrainer-Lizenz zu verlangen sehe ich als unsinnig an. Denn viele TW-Trainer wollen gar keine Mannschaft trainieren. Sie würden selbst nach dem Erwerb dieser Lizenz gar keine Praxis-Erfahrungen dabei sammeln wollen. Nur, der Trainer, der beides beabsichtigt, für den paßt dieses Angebot!

    Wenn man aber interessierte TW-Trainer vom Ausbildungsangebot bewußt fernhält, dann besteht die Gefahr, dass dort bereits gescheiterte Mannschaftstrainer über diese Zusatzausbildung in den Leistungsvereinen solche TW-Trainer-Plätze besetzen, für die sie weder Leidenschaft noch praktische Fähigkeiten besitzen. Denn man darf nicht im Ernst erwarten, dass man das, was erfahren TW-Trainer in Jahren an Erfahrungen sammeln und sich an Fähigkeiten aneignen, seriös in 40 Lehreinheiten vermitteln kann. Die dann ausgehändige Teilnahme-Urkunde ohne Prüfung und Kompetenzübertragung dokumentiert, dass es auch beim DFB und den Verbänden immer noch genügend Verantwortliche gibt, die den Torwarttrainer für einen besseren Ballaufpumper und Ballwiederholer halten. Man hat zwar erkannt, dass man noch nicht die gewünschte Zielgruppe in ihr Ausbildungsprogramm bekommt, will aber selbst nichts verändern, damit man diese bekommt! Selbst die helfenden Hände aus der Bundesliga lehnt man nach wie vor ab, weshalb es gar keine ausreichende Anzahl von qualifizierten Ausbildungskräften gibt, um eine gleichbleibende Ausbildungsqualität sicherzustellen. Hier sind wir noch ganz weit weg von den Ländern, in denen das bereits seit Jahren Standard ist.

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