Ich habe das an anderer Stelle schon geschrieben.
Ann Katrin Berger hat beim Gegentor nicht umgeschaltet. Anstelle von Raumverteidigung auf Zielverteidigung zu schalten, blieb Sie recht aggressiv im Modus "Raumverteidigung", bereit einen Querpass zu verteidigen. Zudem war sie im Moment des Abschlusses auch gerade damit beschäftig, die Abwehr anzuweisen und die Mitte zuschieben zu lassen.
Sie stand rund 1,5 Meter vor der Torlinie, etwas hinter dem Pfosten, optimal um einen Querpass zu verteidigen oder einen Abschluss aus einem steilen Winkel zu verteidigen, doch veränderte Sie die Position nicht, als die Spanische Angreiferin in Richtung Grundlinie durchbricht, und die Verteidigerin nicht näher zum Tor agiert. Die Spanische Spielerin hätte aufgrund der Position der Deutschen Defensivspielerin nicht wirklich in den Rückraum spielen können, aber ein Pass oder Abschluss in Torrichtung war Ihr absolut möglich und darum zog sie diese Option.
Ann-Katrin Berger wird davon ein Stück weit überrascht.
Für mein persönliches Empfinden, und so wie ich meinen Torleuten es immer habe angedeihen lassen, stand Ann-Katrin zu offensiv und hat sich nicht auf die oberste Priorität - Zielverteidigung - fokussiert. Sie hat trotz der Position der Angreiferin die aggressive Position im Modus "Raumverteidigung" beibehalten, Sie hat daher schon ein Stück spekuliert.
Trotzdem: Die Position war nicht zu aggressiv, nicht zu offensiv und von einer Torfrau ihrer Klasse erwarte ich, daß Sie so einen Ball trotzdem wegmacht. Wir reden ja nicht von einer für eine Saison verpflichteten Positionsspielerin, sondern eine für ein Turnier ausgewählte Torfrau. Sie hat sich unter allen zur Auswahl befindlichen Torfrauen empfohlen und wurde daher auserwählt, sprich Du bist damit für das Turnier zur besten, deutschen Torfrau seitens des Trainers ausgewählt worden - und das hat Sie auch mehrfach deutlich unter Beweis gestellt.
Daher: Allein von der Position her, ist das taktisch eine nicht optimale Position und vielleicht ein Stellungsfehler. Doch situativ betrachtet, eine nette Synthese aus Raumverteidigung und Zielverteidigung, denn Sie hätte das Tor auch aus dieser Position verteidigen können, ja eigentlich müssen. Der Ball ist absolut innerhalb Ihrer Reichweite, Du musst dafür nicht mal kompliziert abdrücken, oder Auftaktbewegungen machen, Du musst nur gut in den Ball abkippen - und das Ding ist weg.
Doch auch das gelingt Ihr in diesem Moment nicht

Somit schade, aber dieses Gegentor, es ist in zweierlei Hinsicht Ihr Fehler:
1. Stellungspiel und Betriebsart - darüber kann man noch diskutieren
2. wenn man 1. ausblendet und sie der Sache hingibt, daß die Stellung in Ordnung war, dann ist das kein KANN Ball, sondern ein MUSS Ball.

Der Ball kommt nicht ausserhalb der Reichweite, daß ich abdrücken muss, also meine Körperlänge "übersteigen" muss, der Ball kommt sogar fast in den den Nahbereich, fast in Armlänge entfernt.
Sorry, aber als Deutschlands beste Torfrau musst Du solche Bälle halten - das hat ja zuvor auch sicher geklappt und die waren situativ schwerer.

Tja schade. Sie hätte Ihre brillante Leistung krönen können, doch jetzt ist das ein leichter Kratzer auf der Politur